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Roger Rinderknecht im UCI World Cycling Center in Aigle (VS)

Wir wollten mal wissen was Roger in Aigle bei der UCI so treibt. Hier die Reportage über die Freuden und Leiden des jungen R. in seiner neuen Heimat im Wallis.

Donnerstag, 14. April 2005, 16:00 (msc) - Aigle, VS - Ich finde das UCI World Cycling Center fast auf Anhieb. Roger musste warten, weil ich erstens in Bussigny zu spät abgefahren war und zweitens den unsäglichen Glion-Tunnel zwischen Lausanne und Villeneuve nicht gebührend in die Zeitplanung eingerechnet hatte. Trotzdem: Roger ist gut drauf und geniesst seinen heutigen Ruhetag, den er sich nach der SM in Winterthur und den nächtlichen Filmaufnahmen vom Dienstag redlich verdient hat. Seit Anfang Jahr wohnt er jetzt in Aigle und ich bin natürlich gespannt wie es hier aussieht.

Als Erstes schauen wir uns den BMX Track im UCI Center an. Ganz schön deftig die Steigungen auf dieser Bahn und kaum was Spannendes für Anfänger. By the way: Wenn man den rauen Belag hier anschaut, ist man ganz schön zufrieden mit dem zarten Mergel in Wintertur. Roger gefällt es und er scheint sich auf den bevorstehenden BMX Supercross Event auf dieser Bahn zu freuen. Bis dahin soll allerdings noch einiges am Track verändert werden, damit es auch richtig gefährlich wird...

Roger's Spielplatz direkt vor dem UCI Center in Aigle
BMX fahren mit Blick in die Berge. Not so bad!
Hier wird für das Supercross noch heftig gebaut werden.

Die Trainingshalle hier ist fantastisch. Aussen eine wunderschöne Bahn für die Gümmeler, innen ein multifunktionales Sportfeld inkl. Weitsprunganlage. Was hat Weitsprung eigentlich mit Rad zu tun? However: Roger kann hier in der Halle bei jedem Wetter Gate's trainieren und das ist natürlich hervorragend. Später werdet ihr noch eine Kostprobe von Roger's Start sehen.

Ein Hammer die Halle mit der Holzbahn. In den Kurven gilt eindeutig "Absturzgefahr".
Das Indoor-Gate. Damit ist ein Training bei jedem Wetter möglich.
Ein vollwertiges Gate mit allen Schikanen. Sound, Lights usw.

Weiter geht's. Wir erkunden die Halleninfrastruktur und besuchen den Aufenthaltsraum (voll von Jamaikanern, oder waren das Uru's?), den Kraftraum und dann schauen wir uns noch an wo Roger seine Bikes versteckt. Roger's Abteil ist ganz hinten im Gang. Gibt es da etwa eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Disziplinen bei der UCI? Die Gümmeler sind vorne und die BMX'er und Biker hinten? Als alter Rennradfahrer kann ich es ja verstehen.... :-). Nein! Das war wohl eher Zufall. Der Kraftraum wie auch alle anderen Räume hier sind blitzsauber und überhaupt hat man das Gefühl, dass hier alles extrem diszipliniert von statten geht. Wahrscheinlich ist das die einzige Möglichkeit diesen "multikulti" Haufen hier im Center in Schach zu halten.

Roger's Bikes hinter Gitter. Jeder Crack hat hier sein Abteil unter der Holzbahn.
Kraftraum mit allem was einem Schmerzen bereiten kann.
Hier stemmt Roger bis zu 150kg um seine Oberschenkel für den Start fit zu machen.

Im oberen Stock des Gebäudes gibt es eine Bibliothek, Internet-Access und eine Zeitschriftensammlung. Da gibt es BMX Magazine, die habe ich in CH bisher noch gar nie gesehen. Wir nähern uns der Reception und den heiligen Hallen der ehemaligen Weltmeister Bikes und Rennrädern. Gewissermassen die Hall-of-Fame des Radsports. Hier stehen die Untersätze der Fahrer, die in ihren Disziplinen einen Weltmeistertitel errungen haben. Das Rad von Anne-Caro Chausson steht da, aber auch das BMX Rad von Warwick Stevenson. Anhand der Aufkleber und den ausgestellten Bildern erkennt Roger, dass es tatsächlich das WM Originalrad von Warwick ist. Roger meint trocken, dass hier drin dann mal ein Commencal stehen müsste. Das sehe ich auch so!

Interessante, globale Bike Literatur ohne Ende. Da kann man länger verweilen.
Anne-Caro Chaussons Downhillbolide mit dem sie schon ca. 26-mal Weltmeisterin wurde. Oder war es mehr?
Irgendein Stundenweltrekordrad von einem unbekannten Gümmeler...

Wir ziehen weiter ins Restaurant und Café des Centers. Das Restaurant ist relativ schlicht eingerichtet und hat die Tore jeweils bis 19:00 für die Athleten geöffnet. Das heisst, hier muss man relativ früh antreten um noch was Frisches zu kriegen. Die Aussage von Roger über die Qualität des Essens habe ich irgendwie nicht ganz richtig verstanden. So irgendwie ist es ok. Als wir uns im Café draussen gerade ein Getränk genehmigen, fährt Downhill-Ass Marielle Saner (www.mariellesaner.ch) mit dem Rennrad vorbei und erkennt Roger nicht auf Anhieb. Mich sowieso nicht. Roger ruft sie per Handy an und 2min. später ist sie bei uns am Tisch. Haben diese jungen Leute eigentlich überall das Handy dabei? Sowas hätten wir Radrennfahrer früher nie machen dürfen. Trampen - nicht telefonieren! Gopf. Ich mache draussen noch ein paar Bilder vom modernen Gebäude, während Roger mit Mister XY telefoniert. Ok, ich geb's auf.

Der Eingang zum Restaurant ist standesgemäss dekoriert. Das Essen ist ok. Oder fast ok, oder... (Roger?)
Kurzer SmallTalk mit DH Crack Marielle Saner, die zufällig hier am Café vorbeifährt.
Die Bretter die die Welt bedeuten. Ein- und Ausgang des Centers.

Wir fahren mit Roger's neuem französischen Luxusschlitten in die Herberge, wo die Sportler untergebracht sind. Wir machen ein kurze Besichtigung des Zimmers, des Aufenthaltsraums und der Waschküche. Letztere ist übrigens extrem wichtig und scheinbar eher überbelegt. Man muss hier wohl für seinen Slot kämpfen. Im Obergeschoss ist Roger in einem modernen und schlichten Zimmer untergebracht. Für Dinge die man nicht für die Trainings braucht ist im Raum kaum Platz. Die neue Dusche und ein kleiner Pult sind aber durchaus zweckmässig. Wenn da nur nicht dieser laut musikhörende Jamaikaner nebenan wäre! Ich denke mir, dass man um seine sportlichen Ziele auf diesem Level zu erreichen, halt schon auf einige Annehmlichkeiten verzichten muss. Merkt euch das liebe Junioren! Auf dem Kasten im Zimmer hat es eine Monsterpackung mit Powerbars oder Powergels. Die Bars geniesst Roger ein wenig zu oft, weil das Essen im Restaurant halt - irgendwie - halt - ich weiss nicht so recht - tja.

Bilder zum Vergrössern anklicken!

Mon Séjour - Die Sportler Herberge
Roger's Zimmer. Klein aber dafür gut eingerichtet.
Alles fein säuberlich angeschrieben.
Im Kasten nichts als Sportlerbekleidung. Kein Platz für Persönliches.
Nichts da "Mama macht's"! Selber waschen.
Viele Nationen auf kleinem Raum.
Soo sauber und soo schnörkellos. Ein wenig Kasernenathmosphäre.
Zeitvertreib am Abend im Aufenthaltsraum
My castle. Der Eingang zur Herberge.
Eine gesunde Ernährung ist wichtig (...)

Wir fahren mit dem Schlitten nach Bec oder ähnlich. Das Auto ist echt cool. Im Ernst. Der Wagen ist bequem, hat viel Platz und kommt mit fast null Diesel aus. Das muss hier mal gesagt sein. 5 min. von Aigle weg schauen wir uns eine BMX Bahn ohne Club an. Da steht am Waldrand ein gepflegter Track der wahrscheinlich so gut wie nicht genutzt wird. Auf der Tafel steht BCC - Bicross Club Chablais. Ich habe noch nie von einem Fahrer dieses Clubs gehört. Vielleicht konzentrieren sich die Leute im Gebiet Chablais eher weniger auf das BMX Velo, dafür umso mehr auf den Chablais. Inzwischen ist Natitrainer Urs Kropf auch in Aigle eingetroffen und deshalb fahren wir zurück zum UCI Center.

Cooler Schlitten! Roger hat offensichtlich seinen Spass daran.
Viel Platz für Bikes und die Utensilien.
Die Bahn in Bec. Wirklich schön. Roger telefoniert gerade - zufällig.

Zurück in Aigle muss Roger wegen mir noch das BMX Rad auspacken, damit ich ein paar Aufnahmen machen kann. Dabei wäre doch heute sein Ruhetag. Ein paar Starts aus dem UCI Indoor Gate wollten wir euch aber hier halt schon präsentieren. Inzwischen drehen auch die Bahnfahrer ihre Runden. Roger kann nicht verstehen, warum man sich sowas Langweiliges wie hier Runden drehen oder 200km am Stück mit dem Rennrad fahren antun kann. Nach ein paar Starts und einem gestellten Foti (Roger liebt das heiss) unter der Anzeigetafel im Velodrom, machen wir uns zusammen mit Urs Kropf auf den Weg in die Pizzeria in Aigle. By the way: Roger hat einen Appetit für drei Holzfäller. Ich hätte was zu essen mitbringen sollen.

Bilder zum Vergrössern anklicken!

Bahnfahren hinten - BMXen vorne.
Natitrainer Urs Kropf und Roger beim pumpen.
Roger unter dem UCI Logo.
FastStart aus dem Indoor Gate. .
Und tschüss. Die Pasta wartet.

Fazit: Es ist sportlich ganz schön was los hier im UCI Center in Aigle. Alles ist kompromisslos auf das optimale Training ausgerichtet. Man bekommt das Gefühl, dass der ganze Betrieb in dieser topmodernen Anlage äusserst diszipliniert und zielorientiert geführt wird. Roger ist sicher der Typ, der sich in einer solchen Umgebung auch wohlfühlt und der seinen Nutzen daraus ziehen kann. Auf jeden Fall machte er auf mich hier in Aigle einen sehr optimistischen und zufriedenen Eindruck. Da kann man nur weiterhin viel Glück wünschen!

17. April 2005 / Martin Schnider

 

 
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